Japan im Campervan: Unsere Praxis-Tipps für 2 Personen
Hier unsere Praxiserfahrungen für zwei Personen im Nissan DUO. Was man wirklich braucht, wie man Unsicherheiten ausräumt und wie man entspannt durch Japan reist.
Der Nissan Duo: Unsere Fahrzeugwahl
Wir haben uns bei unserer Japanreise für den Nissan Classic „Duo“ von Japan Campers entschieden. Sich gerade bei schlechtem Wetter im kompakten Camper nicht ganztags krümmen zu müssen, war uns den moderaten Langzeitaufpreis gegenüber kleineren Fahrzeugklassen (z. B. Kei-Car) absolut wert.
Der Nissan Duo basiert auf der klassischen Nissan-Caravan-Reihe. Auf der Website des Vermieters wird er mit 2,30 m Höhe angegeben – während im Cockpit direkt am Armaturenbrett ein Aufkleber mit 2,28 m prangt. Dank des GFK-Hochdachs bietet er im Innenraum eine so eben noch akzeptierbare „Stehhöhe“ von rund 1,60 m. Die Sitzecke ist auch bei miesem Regenwetter über längere Zeit gemütlich. Abends baut man die Sitzgruppe unkompliziert zum Bett um – erinnert an den klassischen VW-Bulli oder den Mercedes Marco Polo.
- Fahrzeugbasis
- Nissan Caravan (Classic-Reihe)
- Angaben Höhe
- 2,30 m (Web) / 2,28 m (Sticker)
- Stehhöhe innen
- ca. 1,60 m
- Personen
- 2 Sitz- & Schlafplätze
- Bettmaß
- ca. 1,50 × 1,80 m (Umbau)
- Bordbatterie
- 100 Ah Lithium (Dual-System)
- Küchenausstattung
- 1-flammiger Gaskocher & 12V-Kühlschrank
- Heizung
- Eingebaute Webasto Standheizung
Wichtiger Praxis-Hinweis zur Autohöhe bei Parkplätzen & Schranken (2,30 m): Auf Nachfrage erklärte der Vermieter, dass durch die nachträglich installierte Dachhaube im Alltag noch ein paar Zentimeter hinzukommen können. An exakten 2,30-m-Einfahrten (wie oft an Supermärkten) wird es dadurch ungemütlich eng – vor allem, wenn man mal vergisst, die Dachhaube komplett zu schließen. Sich blind auf Schilder oder den Aufkleber im Cockpit zu verlassen, kann daher riskant sein. Unser bewährtes Vorgehen: Vor knappen Schranken kurz anhalten, der Beifahrer steigt aus und prüft den Abstand live von außen. Parkhäuser (wegen tiefer hängender Sprinkler oder Rohre) haben wir ohnehin konsequent gemieden und stattdessen offene Parkflächen angesteuert.
Unser Nissan war dabei kein Neuwagen: Der Vermieter beschreibt die Classic-Duo-Flotte ausdrücklich als bewährte Nutzfahrzeuge – typischerweise über 15 Jahre alt und mit mehr als 150.000 km auf dem Tacho. Durch die solide Wartung und die modernisierte Campingausstattung (wie die Lithium-Bordbatterie) hat uns der Van auf den fast 4.000 km zuverlässig begleitet.
- Matratzentopper-Tipp: Einen Matratzentopper unbedingt kostenlos beim Vermieter erfragen – das erhöht den Liegekomfort auf dem Sitzpolsterpuzzle enorm.
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Daiso-Kauf – z.B. Kunststoff-Kleiderbügel: Gleich am Anfang bei Daiso (oder einem anderen 100-Yen-Shop) 4–5 Kunststoff-Kleiderbügel besorgen. Da der Duo keinen echten Kleiderschrank besitzt, hängt man daran tagsüber Kleidung einfach an die Reling des Dachstaukastens. Nachts wandern die Bügel unkompliziert nach vorne ins Fahrerhaus.
Bei Japan Campers freundlich fragen, ob man zwei der typischen durchsichtigen japanischen Regenschirme mitnehmen darf (von Vorbenutzern oft dort hinterlassen). Wenn gerade keine da sind, bei Daiso kaufen. - Heckstaufach unterm Bett: Bietet reichlich Platz für den mitgelieferten Camping-Tisch und die Faltstühle. Darüber hinaus passten zwei Flightcases hinein, gefüllt mit dem Nötigsten für Hotelnächte in Tokio, Kyoto, Hiroshima oder sonstwo. Selbst Mitbringsel, Ersatzschuhe oder Reserve-Gaskartuschen fanden dort problemlos Platz. Große Hartschalenkoffer verwahrt der Vermieter während der Reise kostenlos in seinem Depot.
Kochen im Van: Einflammkocher & Lebensmittelmärkte
Taucht man in die „Lebensmittel-Erlebniswelt“ der riesigen Supermärkte ein, kann man selbst mit dem Einflammkocher an Bord Genusserlebnisse brutzeln. Eine Gaskartusche hat bei uns ca. 7 Tage gehalten, z.B. für Kaffee und Rührei morgens und etwas kurz Gebratenes abends. Unsere erste Kartusche war kostenlos vom Vermieter, also zügig für Nachschub sorgen!
Ernährt man sich hauptsächlich mittels Konbini-Angebot, braucht man den Einflammkocher wohl eher nur zum Kaffeekochen und kommt länger hin.
Wer im kompakten Van Seafood oder Fleisch anbrät, sollte bedenken, dass der Vermieter bei hartnäckigen Gerüchen eine zusätzliche Reinigungsgebühr ansetzt. Bei uns war das dank der guten Lüftung absolut kein Thema: Im Dach ist eine Luke mit Ventilator verbaut – zusammen mit dem kleinen Zusatz-Be- und Entlüfter im Heck erzeugt das System einen guten Durchzug. Der Kochdampf zieht direkt nach oben und hinten ab, selbst wenn draußen das Wetter dichtmacht.
Michi-no-Eki: Sanitär, Regennächte & Reise-Urinal
Nachts, selbst bei strömendem Regen, die eigentlich immer supersauberen Michi-no-Eki-Sanitäranlagen auf einem Michi-no-Eki aufsuchen – kann man machen.
Wir entschieden uns aber für ein „etwas anderes“ Setup:
- ♂️ … ein Reise-Urinal im blickdichten Stoffbeutel ist nachts im Van eine extrem entspannte Lösung und lässt sich am nächsten Morgen unauffällig in den Sanitäranlagen des Michi-no-Eki entleeren.
- ♀️ … Porta-Potti (vom Vermieter kostenlos gestellt), statt nachts im Pyjama bei Wind und Wetter über den halben Parkplatz zu laufen (alternativ wäre eine Urinella).
Tagsüber nutzt man ohnehin die blitzsauberen, kostenlosen Toiletten der Michi-no-Eki oder auch Supermärkte... Da das kleine Porta Potti nur für die Nachtstunden genutzt wird, bedeutet das man nur selten einen offiziellen RV-Park oder Campingplatz zum Dumpen ansteuern muss.
Grauwasser-Minimierung: Die Zewa- & Zwei-Tuch-Methode
Um unseren 20-Liter-Grauwassertank gar nicht erst zu belasten, nutzten wir folgendes Procedere:
- Fett & Reste: Speisereste und fettiges Öl wurden vor dem Spülen konsequent mit Papiertüchern (Zewa) ausgewischt und im Restmüll entsorgt. So blieben Pfannen, Töpfe, Tassen und Teller... fast komplett sauber.
- Die Mikrofaser-Tuch-Methode: Gekocht wurde mit minimalem Wasser (z.B. mit vorgekochten Nudeln, die nur kurz angebraten wurden). Zum Abwaschen nach „Wisch und Weg“ nutzten wir ein Mikrofasertuch – mit einem winzigen Tropfen Spüli und ein Trockentuch.
- Das Auswaschen: Das Microfaseruch wurde morgens einfach kurz im Waschbecken des Michi-no-Eki gründlich ausgewaschen und gewrungen – genau wie es Einheimische dort bei ihren morgendlichen Gesichts- und Handtüchern ganz selbstverständlich auch tun. Das fällt absolut nicht auf, solange man das Becken tadellos hinterlässt.
Mit diesem minimalistischen, chemiefreien System läuft der Roadtrip komplett entspannt, man umschifft alle Grauzonen und reist absolut reibungslos durch den japanischen Alltag.
Beim Thema Entsorgung war unser Leitgedanke schlicht Meiwaku – anderen keine unnötigen Unannehmlichkeiten bereiten. Wir wollten einen Ort so verlassen, wie wir ihn selbst vorfinden möchten – im Zweifel sauberer. Deshalb haben wir beispielsweise auch herumliegende Fetzen des dünnen japanischen WC-Papiers von Vorgängern aufgehoben und entsorgt. Uns war wichtig, keinerlei sichtbare Spuren zu hinterlassen.
Frischwasser bunkern ohne Schlauch-Stress
Frischwasser bunkern – statt mit dem 20 l Kanister des Wohnmobils an Michi-no-Eki-Sanitäranlagen herumzuhantieren, zwei 1,5 l PET-Mineralwasserflaschen nutzen. Bei normalen WC-Gängen am Waschbecken befüllen und im Van in den Küchentank umgießen. Unauffällig, sauber und perfekt für den Tagesbedarf.
Japan hat hervorragendes Trinkwasser direkt aus der Leitung. Da man bei einem Mietvan aber nie weiß, wie der Vormieter den Kanister gepflegt hat, nutzen wir das Kanisterwasser zum Spülen, Kochen, Kaffee-/Teewasser und Zähneputzen. Zum puren Trinken nutzen wir PET-Trinkwasserflaschen, die sich an öffentlichen Wasserspendern problemlos auffüllen lassen.
Müllentsorgung unterwegs
Müllentsorgung – jepp, ungewohnt ist suchen zu müssen, wo man ihn los wird. Aber das spielt sich rasch ein, auf Michi-no-Eki oder an Supermärkten wo suchen zu müssen in welcher Ecke die Abfallsortierer versteckt sind. An den Lawson, 7-Eleven und FamilyMart Konbinis… finden sie sich meist im Laden. Kann schon mal ein bisserl dauern, bis sich etwas findet und man den Müll dann so lange im Van zwischenlagern muss.
Dass manche ihren Müll einfach irgendwo im Sanitärbereich der Michis dumpen… unmöglich!
Elektronik, Kabel & Bordstrom
- 2 m USB-C Kabel mitbringen: Vorn nutzen kostenloses iPad und Mini-Router beide Ladeports. Handy lässt sich so von den Küchen-Ladeports auch vorn oder hinten nutzen.
- Weltreisestecker: Sollte den richtigen A-Anschluss haben, um europäische 230-Volt-Geräte betreiben zu können… Typ B mit rundem Erdungsstift passt nicht!
- 100 Ah Lithium-Bordbatterie: Bei uns reichte die 100 Ah Lithium-Bordbatterie aus, um den Kühlschrank auch drei Nächte durchlaufen zu lassen, während wir Hotelaufenthalt in Tokio, Kyoto… genossen. Die vom Vermieter aufs Handy aufgespielte App zeigt den Ladezustand inkl. Restlauf-Prognose an.
ETC-Mautkarte & der Moment an der Maut-Schranke
ETC – so gut wie jeder Tippgeber schreibt – braucht man. Jepp… nur was macht man, wenn die Schranke sich nicht öffnet und jemand bereits hinter dir steht?
Wenn vorhanden, die kombinierten ETC/Paperticket Einfahrten nutzen… da kann man notfalls ein Ticket ziehen.
Uns passiert: ETC-Karte ist aus Kartenhalter geflutscht, Schranke öffnet nicht, Papierticket gezogen, vor der Ausfahrt dann zwischen zwei Portalen gehalten, sofort kam ein Mitarbeiter rausgestürmt und half uns den super komplizierten Bezahlautomaten zu bedienen… ppffff!
Vermieter-Service: Der kleine Unterschied
Man kommt an, reist in fremdem Land und stolpert über Probleme. Bei uns war beispielsweise die kostenlose Abholung nach Ankunft innerhalb der Geschäftszeiten vereinbart – nur hatte blöderweise jemand unseren Koffer vom Band mitgenommen ☹. Das kostete uns 45 Minuten, bis der Reisende mit unserem Koffer zurückbeordert werden konnte. Unser Vermieter wartete dafür anstandslos über die Geschäftszeit hinaus auf uns. Den Shuttlebus gab es dann gegen Aufpreis – danke an die Pappnasen, äh … Kofferdiebe! 😄 Unser Fahrer hielt freundlicherweise noch kurz an einem 7-Eleven-Konbini für Bargeld und Abend-/Frühstückssnacks.
Auch unterwegs war der Support unkompliziert: Bei einem Problem mit der ETC-Karte half der Vermieter per WhatsApp-Videohilfe. Als der DUO plötzlich schleifende Geräusche machte, schickten wir kurzerhand ein Video. Unsere Vermutung: vielleicht ein Steinchen zwischen Bremsbelag und Bremsscheibe? Jepp – kann passieren. Sein Tipp: kurz ein Stück rückwärts fahren. Gemacht – Geräusch weg. Kannten wir schon von unserem Wohnmobil. Ppffff, Problem gelöst.
Den kostenlosen Flughafentransfer während der Bürozeiten und die Möglichkeit, bei Langzeitmiete das Guesthouse bei Ankunft und Abreise zu nutzen, fanden wir ebenfalls angenehm.
Ein paar japanische Wörter, die helfen können Eis zu brechen
Neben den obligatorischen Redewendungen hat sich für uns bewährt, ein paar kurze Ein-Wort-Ausrufe parat zu haben. Keine Sprachlektion – einfach kleine Wörter, die im Alltag sofort funktionieren. Sucht euch vorab einfach selbst ein paar passende Begriffe raus.
| Kategorie | Japanisch (Aussprache) | Bedeutung / Wirkung |
|---|---|---|
| 🍱 Restaurant & Bar | Uma-sugi! (Umah-suhgi) | Zu lecker! |
| 🏨 Hotel & Service | Sugo-i! (Ssu-goh-ih) | Wahnsinn! / Großartig! |
| 🛍️ Einkaufen | Ii ne! (Ih-neh) | Schön! / Gefällt mir! |
| ♨️ Onsen | Kimochi ii! (Kih-moh-tschi ih) | Tut das gut! |
| 📸 Sightseeing | Ii desu ka? (Ih dess kah) | Erlaubt? / Ok? (Auf Kamera zeigen) |
| 🚶 Alltag & Kontakte | Sumimasen! (Suh-mih-mah-ssen) | Entschuldigung! / Danke! |
| 🚶 Alltag & Kontakte | Gomen! (Goh-men) | Sorry! (Nach Anrempeln) |
Mitbringsel: Unsere Highlights für daheim
Koffer-Tipp vorab: Den Koffer auf dem Hinflug bloß nicht zu voll packen – für die Mitbringsel auf dem Heimweg braucht man Platz!
- Verstellbare Kyocera-Spitzkohlreibe: Das Teil macht hauchfeinen Spitzkohl für den typischen frischen Kohl-Salat (Coleslaw), den man in Japan überall als Beilage bekommt.
- Handgraviertes Küchenmesser: Nicht im durchgestylten Touristenladen, sondern im urigen Kyotoer Messerladen direkt vom alten Meister per Hammer und Punze mit persönlicher Kanji-Gravur versehen lassen.
- Samen & Alltagskram aus Konbini & Daiso: Gurken- und Bohnensamen für den heimischen Garten, kleiner Umeshu-Pflaumenwein im Glas aus dem Konbini und schönes Sake-Geschirr aus dem 100-Yen-Shop.
- Der ultimative Kitsch: Ein strohumwickeltes Mini-Sake-Fässchen (Kazaridaru). Eigentlich völlig drüber, aber im Regal zu Hause einfach ein genialer Blickfang.
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