Japan 2026 · Kyoto · Reiseepisode

Hayakawa Hamonoten in Kyoto: Die Jagd nach Wartemarke Nr. 7

Messerläden gibt es in Kyoto viele. Bei den meisten möchte man sofort kaufen. Wir entschieden uns für die Variante, die man nicht vergisst — und standen deshalb am nächsten Morgen um 6:53 Uhr vor Hayakawa Hamonoten in der Schlange.

Moderner Messerladen in Kyoto mit großer KNIIFE-Schrift und einer breiten Auswahl an Küchenmessern

Der erste Versuch: alle Wartemarken weg

Nach dem Hotel-Frühstück stand das auf dem Plan, worauf ich mich schon lange gefreut hatte: nicht irgendeinen modernen Messer-Showroom zu betreten, sondern den einen, ganz besonderen kleinen Laden zu besuchen. An meinem daheim ausbaldowerten Hayakawa Hamonoten angekommen: surprise, surprise. Die erwartete Schlange stand nicht nur schon vor der Tür — die begehrten Wartemarken für diesen Tag waren bereits komplett aus.

Beim Plausch in der Schlange klärte mich ein deutsches Mädel auf. Sie war am Sonntag schon einmal vergebens da gewesen — natürlich, da war chiuso. Heute stand sie seit sieben Uhr an, um Tages-Wartemarke Nr. 4 von maximal 25 zu ergattern und rasch ein Foto der Auslage zu schießen. So konnte sie ihr Wunschmesser schon vor dem eigentlichen Termin auswählen.

6:53 Uhr in der Gasse

Am nächsten Morgen ging es um 6:37 Uhr beschwingten Schrittes los durch die fast leeren Straßen. Als ich um 6:53 Uhr in die Gasse einbog, sah ich schon aus rund 250 Metern Entfernung vor dem Laden eine Warteschlange.

Wartende vor Hayakawa Hamonoten am frühen Morgen in einer Gasse in Kyoto
Punkt sieben Uhr: Meister Hayakawa verteilt die Wartemarken. Nummer 7 gehörte mir.
Wartemarke Nummer 7 von Hayakawa Hamonoten in Kyoto mit Schließhinweis für Juni 2027
Die begehrte Karte: Wartemarke Nr. 7. Der Schließhinweis darauf bekam für uns erst am Ende der Begegnung seine Bedeutung.
Aushang bei Hayakawa Hamonoten in Kyoto mit Hinweis auf eine Begrenzung auf 25 Kunden pro Tag
Bei unserem Besuch waren die Tageskarten auf 25 Personen begrenzt.

Besuchsstand: Frühjahr 2026. Der Aushang und die Wartemarken auf dieser Seite dokumentieren unseren Besuch. Öffnungszeiten, Vergabepraxis und Verfügbarkeit können sich ändern — bitte vor einem Besuch aktuell prüfen.

Obwohl der Laden offiziell erst um neun Uhr öffnen sollte, bat der Meister die ersten drei Wartenden bereits um 8:40 Uhr hinein. Ich nutzte die Chance für schnelle Fotos der Auslage und fachsimpelte mit den anderen darüber, welches Set am meisten Sinn macht. Dann verschwand der Meister wieder im Haus gegenüber und ließ uns kurz allein im Laden — eine Situation, die uns als Besucher durchaus überrascht hat.

Ich ging zurück ins Hotel, um mit Barbara zu frühstücken. Um 9:30 Uhr waren wir gemeinsam wieder da. Punktlandung: Gerade in diesem Moment wurde die allerletzte Marke des Tages vergeben. Ein vertiefendes Gespräch mit ein paar Wiederholungstätern vor der Tür erweiterte unsere Wunschliste prompt noch einmal.

Drei Messer in der engeren Auswahl

Drinnen fiel schließlich die Entscheidung. Nicht das größte Set, nicht die schnellste Lösung — sondern drei Messer, die für uns Sinn machten: ein Gyuto, ein Nakiri und ein Petty. Jedes hatte seine eigene Form, seinen eigenen Griff und seinen eigenen kleinen Grund, in der engeren Auswahl zu landen.

Der eigentliche Höhepunkt kam aber erst danach.

Gyuto
Das vielseitige Kochmesser für den Alltag.
Nakiri
Das Gemüsemesser mit der breiten, geraden Klinge.
Petty
Das kleine Messer für die feinen Arbeiten.
Drei japanische Küchenmesser mit unterschiedlichen Klingenformen auf dem Verkaufstresen bei Hayakawa Hamonoten
Die engere Auswahl: Gyuto, Nakiri und Petty.

Zwei Gravuren, ein „Too hard“

Der nette alte Herr, Meister Hayakawa Masaya, gravierte unseren Nachnamen in reiner Handarbeit auf zwei der Messer — mit Hammer und Punze direkt in den harten Stahl. Das dritte Messer blieb ungraviert: „Too hard.“

Hayakawa Masaya graviert mit Hammer und Punze einen Namen in ein japanisches Küchenmesser
Meister Hayakawa Masaya graviert unseren Nachnamen in Katakana direkt in den Stahl.
Nahaufnahme von Hammer und Punze bei der Handgravur eines japanischen Küchenmessers
Hammer, Punze und eine ruhige Hand: Die Gravur entsteht direkt an der Klinge.
Nahaufnahme unseres in Katakana handgravierten Nachnamens auf einer Klinge aus gehämmertem Stahl
Die fertige Handgravur unseres Nachnamens in Katakana im gehämmerten Stahl.

Die Schafbergbahn an der Wand

Als Barbara ihn auf das Foto einer österreichischen Schafbergbahn-Dampflok an seiner Wand ansprach, taute Meister Hayakawa völlig auf. Der Funke sprang sofort über: Er schenkte uns zwei Kekse, wollte unbedingt ein Foto mit uns auf seinem Handy machen, notierte gewissenhaft die Details und verpackte unsere neuen Schätze. Geschaffte Mission.

Barbara und Theo Engbrink mit Hayakawa Masaya in dessen Messerladen in Kyoto
Barbara, ich und Meister Hayakawa Masaya nach der Entscheidung in seinem Laden.

Ein Laden auf Zeit

Auf der Wartemarke, die wir im Laden erhielten, stand der Hinweis: „It will close in June 2027.“ Gerade deshalb steht diese Geschichte für uns nicht nur für drei schöne Messer, sondern für eine Begegnung, die es so vielleicht bald nicht mehr geben wird.

Warum das Set in unserer Japan-Abrechnung steht

Zwischen Camper-Miete, Maut und Onsen fällt dieser Posten aus dem Rahmen: Das dreiteilige Messerset war kein beiläufiges Souvenir, sondern ein bewusstes Stück Reiseerinnerung. Deshalb taucht es in unserer Kostenabrechnung separat auf — nicht versteckt unter „Sonstiges“.

Die Kyoto-Etappe im vollständigen Reisebericht

Die Messergeschichte war nur ein Moment unserer 47 Tage in Japan. Karte, Tagesetappen, weitere Kyoto-Erlebnisse und alle rund 40 dokumentierten Stopps finden Sie im öffentlichen Polarsteps-Reisebericht.

Die vollständige 47-Tage-Reise auf Polarsteps ansehen ↗